Die Grünen Wedemark warnen vor einer deutlichen Verschärfung des Haus- undKinderärztemangels in der Gemeinde. Wie in vielen ländlichen Regionen fehlenbereits heute schnelle Termine bei Hausärztinnen und Kinderärztinnen; derdemographische Wandel und die steigende Zahl älterer Bürger*innen verschärfendie Lage weiter. Auch in der Wedemark gibt es erste Anzeichen, dass in naherZukunft Versorgungsprobleme auftreten werden.
Auch die Pressestelle der Ärztekammer Niedersachsen bestätigte den Niedergang angeeigneten Landärzt*innen im nächsten Jahrzehnt durch eine fehlgeplante Anzahl vonMedizinstudienplätzen in Niedersachsen, die erst langsam wiederaufgebaut wird, z. B.durch die „Landarztquote“, bei der junge Menschen auch ohne Traum-Abi einenStudienplatz erhalten, wenn sie sich für eine Landarztstelle verpflichten, und begrüßten,dass die Kommunen hier eigenverantwortlich Anreize schaffen wollen.
Um die Versorgung langfristig zu sichern, setzen die Grünen Wedemark auf einumfassendes Maßnahmenpaket. Der Standort soll für Mediziner*innen attraktiverwerden – unter anderem durch bessere Rahmenbedingungen für Praxisgründungen,familienfreundliche Infrastruktur und gezielte Unterstützung durch die Gemeinde.Gleichzeitig soll die ambulante Pflege gestärkt werden, um Praxen zu entlasten undVersorgungslücken zu schließen.
Bürgermeisterkandidatin Cornelia Blume sprach dazu mit dem ihr gut bekanntenLandesvorsitzenden des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Niedersachsen e. V.,Dr. Matthias Berndt, der selbst in der Wedemark wohnt. Dieser sagt: „DieHausarztpraxis vor Ort ist ein Stück kommunale Daseinsvorsorge, wo Hausärzte fehlen,verliert eine Gemeinde ein wichtiges Stück Lebensqualität. Und natürlich möchte ichselbst einmal im Alter hier gut versorgt werden!“
Ein zentraler Baustein sind hausärztliche Primärversorgungszentren (HPVZ) undVersorgungsassistent*innen (VERAH) oder speziell weitergebildete medizinischeFachangestellte die im Verbund medizinischen Aufgaben übernehmen oderHausbesuche anbieten. Die HPVZs müssten auch Facharztstellen im Rahmen derGrundversorgung miteinschließen, dieser Schulterschluss sollte auch als „Versorgungaus einer Hand“ in Gemeinschaftspraxen gefördert werden.Cornelia Blume hat sich bei einem Besuch des Pflegedienstes Caspar Dase GmbHpersönlich ein Bild von der Situation gemacht. Der Termin zeigte eindrücklich, wiedringend die ambulante Pflege im ländlichen Raum strukturell und finanziell gestärktwerden muss.
Besonders groß ist der Bedarf an gerontopsychiatrischer und psychosozialerUnterstützung, der bislang kaum abgedeckt wird. Auch Jugendliche ab 16 Jahrenbenötigen angesichts digitaler Belastungen und Social Media zunehmend Beratung undPrävention. Pflegedienste könnten hier – gemeinsam mit Schulsozialarbeit und weiterenAkteuren – eine wichtige Rolle übernehmen. Voraussetzung ist ein kommunalunterstützter Netzwerkaufbau, der interprofessionelle Zusammenarbeit stärkt.Die Kommune sollte geeignete Rahmenbedingungen für Arztpraxen und Pflegediensteim Sinne einer Willkommenskultur schaffen, um hier nachhaltige Strukturen zuschaffen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Digitalisierung der kommunalen Verwaltungsprozesse,die für Pflegedienste und Hausärzt*innen zentrale Schnittstellen darstellen. Währendviele Pflegeanbieter bereits vollständig digital arbeiten, bleibt die Gemeindeverwaltungbisher in Teilen analog. Das führt zu Medienbrüchen, Verzögerungen und unnötigemAufwand. Die Grünen Wedemark fordern daher moderne, einheitliche digitaleStrukturen: standardisierte digitale Formulare, verbindliche digitale Workflows und einedurchgängige elektronische Kommunikation zwischen Verwaltung, Pflegediensten undweiteren Beteiligten.
Der Blick nach Skandinavien zeigt zudem, dass qualifizierte medizinische nicht ärztlicheFachberufe in Praxisteams Aufgaben wie Impfungen, Beratung oder Monitoringübernehmen können – und damit Hausärzte entlasten. Die hohe Qualität der lokalenPflegedienste belegt, dass solche Modelle auch in der Wedemark erfolgreich umsetzbarsind.
Der in der Wedemark tätige Hausarzt Ingo Reimann äußert dazu: “Ich habe selbstbereits gute Erfahrungen mit Versorgungsassistentinnen in Eigenverantwortunggemacht – wenn die Gemeinde hier strukturelle Weichen stellt, sollten gut bezahltenStellen hier möglich sein.“
Die langjährige Ärztin Cornelia Blume fasst den politischen Auftrag klar zusammen:„Aus vielen Gesprächen und Besuchen u. a. in der Wedemark weiß ich, wie groß derWunsch nach einer verlässlichen medizinischen Versorgung ist. 80 % der Menschen inDeutschland fordern laut Forsa eine zentrale kommunale Anlaufstelle fürGesundheitsfragen. Als Bürgermeisterin werde ich genau solche Zentren auf den Wegbringen – und mehr noch: Ärztinnen und Pflegende sollen die strukturelle Unterstützungerhalten, die eine stabile Versorgung im ländlichen Raum langfristig braucht.“