Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Hermine Rüfer, einer außergewöhnlichen Frau, die sich ihr Leben lang mit großer Überzeugung und Beharrlichkeit für den Naturschutz und für Menschen in schwierigen Lebenssituationen eingesetzt hat.
Ihr gesellschaftliches Engagement begann 1976 in der Anti-Atomkraft-Bewegung. Wenig später war sie an der Gründung der Bürgerinitiative Umweltschutz Wedemark beteiligt und setzte sich unter anderem gegen Baumfällungen im Zuge des Ausbaus der Ortsdurchfahrt Bissendorf ein. Ab 1983 engagierte sie sich in der lokalen Gruppe der Grünen, aus der später der Ortsverband der Partei hervorging.1986 wurde Hermine Rüfer erstmals in den Gemeinderat gewählt. Drei Jahrzehnte lang, bis 2016, war sie Mitglied im Gemeinderat und im Ortsrat Bissendorf, später dann nach der Gründung des Ortsrat Bissendorf-Wietze war sie auch da Mitglied. In dieser Zeit setzte sie sich unbeirrbar für ökologische und soziale Anliegen ein, zum Beispiel auch für eine Baumschutzsatzung in der Gemeinde, besonders in Bissendorf-Wietze. Zu den frühen Erfolgen ihrer politischen Arbeit gehörten unter anderem die Einführung von Recyclingpapier in der Verwaltung und das Verbot von Pestiziden bei der kommunalen Grünpflege.Dabei zeichnete sie sich durch eine besondere Eigenschaft aus: ihren Mut, bestehende Gewohnheiten und vermeintliche Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen. Unerschrocken trat sie für das ein, was sie für richtig und notwendig hielt – auch dann, wenn sie damit gegen den herrschenden Konsens stand. Ihre Beharrlichkeit trug beispielsweise dazu bei, dass in Rats- und Ausschusssitzungen auf das Rauchen verzichtet wurde. Was damals keineswegs selbstverständlich war, wurde später zu einer gesellschaftlich anerkannten Regel.Auch über ihr kommunalpolitisches Mandat hinaus blieb Hermine Rüfer aktiv. In den 1990er Jahren übernahm sie ehrenamtlich die Betreuung von Geflüchteten in der Wedemark. Später initiierte sie das Projekt „Lernpaten“, in dem sie Schulkinder bei schulischen Aufgaben unterstützte. Nach ihrem Ausscheiden aus dem Gemeinderat blieb sie dem Ortsverband der Grünen verbunden und kümmerte sich weiterhin ehrenamtlich um einzelne geflüchtete Menschen.Ebenso war Hermine Rüfer Mitglied der Evangelisch-lutherischen Christophorus-Kirche in Bissendorf-Wietze und hat sich dort in die Gemeindearbeit eingebracht.Bereits im Jahr 2017 wurde Hermine Rüfer für ihr langjähriges besonderes Wirken um das Gemeinwohl mit der Ehrennadel der Gemeinde Wedemark ausgezeichnet.Am 28. Februar 2020 dann wurde sie für ihr umfassendes Lebenswerk mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Die Ehrung würdigte ihren jahrzehntelangen Einsatz für die Umwelt, für soziale Gerechtigkeit und für Menschen, die Schutz und Unterstützung benötigen.Wer Hermine Rüfer begegnete, lernte eine authentische, aufrichtige und unverstellte Persönlichkeit kennen. Sie ließ sich auch nicht von Konventionen, Gruppendruck oder Bequemlichkeit davon abhalten, ihre Stimme zu erheben. Ihr Engagement war stets von tiefer Menschlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und der Überzeugung getragen, dass gesellschaftlicher Wandel mutige Menschen braucht.Hermine Rüfer hat Spuren hinterlassen – in der Wedemark, in der Kommunalpolitik und in den Herzen vieler Menschen. Ihr Beispiel verpflichtet uns, weiterhin unerschrocken für eine lebenswerte, gerechte und solidarische Gesellschaft einzutreten. Sie dient uns allen damit bis heute als Vorbild.Wir werden ihr Andenken in Ehren halten.Bündnis 90/ Die GrünenVorstand und RatsfraktionBirgit LuttermannMarco KurzNorbert BakenhusFoto: Claus Kirsch/Region Hannover