Der Rat der Gemeinde Wedemark hat am 23. Februar 2026 beschlossen, die im August 2024 von SPD und CDU getroffene Entscheidung zum Abriss und Neubau der Grundschule Mellendorf aufzuheben und das Verfahren ergebnisoffen neu zu starten. In einem ersten Schritt soll nun ein umfassendes Sanierungsgutachten erstellt werden. In seinem Redebeitrag schlug Fraktionssprecher Norbert Bakenhus vor, die Weiterentwicklung der verschiedenen Projekte am Campus W. gemeinsam zu betrachten.
(Es gilt das gesprochene Wort)
Sehr geehrter Herr Ratsvorsitzender, sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr gegehrte Damen und Herren, liebe Wedemärkerinnen und Wedemärker.
Der vorliegende Beschlussvorschlag enthält ziemlich genau das, was wir bereits vor eineinhalb Jahren gefordert haben. Ich habe am 5. August 2024 an dieser Stelle hier folgendes gesagt:
„Für eine sachlich fundierte Entscheidung über die Zukunft der GS Mellendorf durch den Rat der Gemeinde Wedemark bedarf es weiterer Untersuchungen und Analysen. Darum beantragen wir, eine Entscheidung auszusetzen, bis ein umfassendes Sanierungsgutachten vorliegt.“
Dass genau das jetzt beschlossen werden soll, ist gut und richtig. Weniger gut, aber ebenfalls leider richtig ist, dass wir viel Zeit und Geld verloren haben.
Dieser Beschluss der Ratsmehrheit am 5. August 2024 war aus meiner Sicht eine der größten Fehlentscheidungen der gesamten Ratsperiode.
Trotz jeder Menge guter Argumente, auch von Expert*innen, haben Verwaltungsspitze, SPD und CDU an ihrer Neubau-Entscheidung festgehalten und damit das Projekt Grundschule Mellendorf in eine Sackgasse gesteuert. Und jetzt haben wir den Schlamassel.
Wir sind ja gerne dabei behilflich, jetzt das zerschlagene Porzellan zu kitten. Aber wir müssen aufpassen, nicht schon wieder den zweiten Schritt vor dem ersten (bzw. den dritten vor dem zweiten) zu machen. Mag sein, dass wir in der späteren Umsetzung einen Generalunternehmer beauftragen müssen. Aber wir können uns damit nicht aus unserer planerischen Verantwortung stehlen.
Wir raten dringend dazu, unverzüglich und begleitend ein städtebauliches Konzept für den gesamten Campus W. zu entwickeln. Es geht ja nicht nur um die Zukunft der Grundschule. Wir haben ein halbes Dutzend weiterer Baustellen rund um den Campus.
Wir beginnen jetzt mit Planungen für einen möglichen Anbau am Schulzentrum und eine neue Mensa. Wir haben die ungelöste Raumsituation im Rathaus. Und wir loten mit Arbeitsgruppen aus, wo auf dem Campus Flächen entsiegelt und beschattet werden können und wo Fahrradständer überdacht werden können. Eine Gesamtbetrachtung muss nicht nur Gebäude in den Blick nehmen, sondern auch Freiflächen, Grünflächen, Zuwege und Parkraum.
Es macht doch keinen Sinn, von der einen Seite einen Anbau ans Rathaus zu bauen und von der anderen Seite eine neue Mensa, um hinterher festzustellen, dass man das in einem gemeinsamen Gebäude viel besser und günstiger hinbekommen hätte. Es macht keinen Sinn, auf dem Campus Flächen zu entsiegeln, um später diese Flächen für eine neue Mensa zu verwenden. Es macht keinen Sinn, am Roye-Platz Fahrradständer zu überdachen, wenn das vielleicht eine geeignete Fläche für eine Mensa der Grundschule ist. Deshalb können wir die Grundschule eben nicht isoliert betrachten.
Statt an fünf verschiedenen Stellen an einzelnen Projekten zu arbeiten, brauchen wir den weiten Blick. Wir müssen weg kommen vom Klein-klein. Wir wollen den Campus W. fit machen für die nächsten 20/30 Jahre.
Und dazu braucht es ein städtebauliches Konzept.
Und noch ein letzter Gedanke: Der künftige Bürgermeister oder die Bürgermeisterin wird dieses Projekt – und auch den Konflikt – erben. Aus unserer Sicht wäre es sehr wünschenswert, wenn der oder die Nachfolger*in an der Verwaltungsspitze diesen Konflikt befrieden kann.